1900–1939
Autodafé von Büchern
10 mai 1933·Berlin
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
Werke jüdischer Autoren von Nazis öffentlich verbrannt, zuerst in Berlin, dann in den Universitätsstädten des Reichs
Am 10. Mai 1933 übergeben auf dem Opernplatz in Berlin nationalsozialistische Studenten und ihre Professoren die Werke, die sie dem deutschen Geist für feindlich halten, den Flammen. Bücher jüdischer Autoren nehmen den ersten Platz ein — Freud, Marx, Einstein, Heine, Tucholsky, Feuchtwanger — neben jenen der Pazifisten und der Sozialisten. Die Szene wiederholt sich am selben Abend und in den folgenden Wochen in den Universitätsstädten des Reiches.
Das Autodafé wird von der Deutschen Studentenschaft inszeniert und im Rundfunk übertragen; es geht der Ausgrenzung der Juden aus dem öffentlichen Dienst und den geistigen Berufen nur wenig voraus. Heine hatte ein Jahrhundert zuvor geschrieben, dass dort, wo man Bücher verbrennt, man am Ende auch Menschen verbrennt; seine Werke liegen auf dem Scheiterhaufen.
- Zeitraum :
- 1900–1939
- Art :
- Prozesse und Hinrichtungen
- Region :
- Westeuropa
- Land :
- Allemagne
Archives de la Deutsche Studentenschaft ; presse allemande et internationale du printemps de cette année-là.