15.–17. Jahrhundert
Ritualmordanschuldigungen, Hinrichtungen
1429-1430·Ravensburg, Lindau, Überlingen
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
Drei schwäbische Reichsstädte — Ravensburg, Lindau, Überlingen — wurden nacheinander von Ritualmordvorwürfen erfasst, stets mit denselben Handlungen: Verhaftung der Gemeinde, Folter, Geständnisse, Scheiterhaufen.
Kaiser Sigismond, der die Juden als seiner Kammer zugehörig betrachtete, sandte den Städten Mandate, die ihnen untersagten, ohne ihn zu urteilen, und erinnerte an die kaiserlichen Privilegien. Die Stadträte handelten dennoch dagegen: Sie waren auf den Schutz des Reiches nicht mehr so angewiesen wie das Reich auf ihr Geld, und der jüdische Kredit war nicht mehr unentbehrlich.
Dieses Jahrzehnt eröffnet die Zeit der städtischen Ausweisungen in Süddeutschland: Wo der Prozess nicht genügte, stimmte der Rat für die Vertreibung — und die Juden Süddeutschlands zogen in die Dörfer und Herrschaften, wo sie bis ins 19. Jahrhundert bleiben sollten.
- Zeitraum :
- 15.–17. Jahrhundert
- Art :
- Prozesse und Hinrichtungen
- Region :
- Westeuropa
- Land :
- Allemagne
Chroniques souabes ; mandats de Sigismond ; *Memorbuch* de Nuremberg.