19. Jahrhundert
Synagogenbrand und dann antisemitische Unruhen in Pommern
18 févr. 1881·Neustettin
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
In der Nacht vom 18. Februar 1881 wird die Synagoge von Neustettin in Pommern in Brand gesteckt. Die Ermittlungen richten sich sofort gegen die Gemeinde selbst, die beschuldigt wird, ihr eigenes Gotteshaus in Brand gesteckt zu haben, um die Versicherungssumme einzukassieren; dieser Vorwurf schürt in den folgenden Wochen Unruhen, die sich auf die umliegenden Ortschaften ausweiten: eingeschlagene Schaufenster, tätlich angegriffene Familien, geplünderte Läden.
Der Vorfall ereignet sich zu einem Zeitpunkt, als die antisemitische Agitation in Deutschland durch Petitionen und Zeitungen organisiert wird, und liefert ihr ein Schlagwort. Die gegen Mitglieder der Gemeinde eingeleiteten Verfahren werden in der Berufungsinstanz zusammenbrechen, doch der Brand und seine Folgen werden gezeigt haben, wie schnell eine Anschuldigung gegen die Opfer gewendet werden kann.
- Zeitraum :
- 19. Jahrhundert
- Art :
- Pogrom
- Region :
- Westeuropa
- Land :
- Allemagne
Comptes rendus judiciaires prussiens ; presse allemande contemporaine et travaux sur l'antisémitisme wilhelminien.