15.–17. Jahrhundert
Erster dokumentierter Ritualmordprozess des Heiligen Römischen Reiches
1470·Endingen
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
drei Brüder, Elias, Eberlin und Mercklin, verbrannt
Unter einer Scheune in Endingen im Breisgau wurden Knochen entdeckt und einer Reisefamilie zugeschrieben, die Jahre zuvor verschwunden war. Drei jüdische Brüder aus der Stadt — Elias, Eberlin und Mercklin — wurden verhaftet, gefoltert und verbrannt.
Der Prozess ist der erste im Heiligen Römischen Reich, von dem Protokolle erhalten sind: Man verfolgt darin das Verhör, die gestellten Fragen, den Moment, in dem das Geständnis erzwungen wird. Der Markgraf von Baden protestierte gegen ein Verfahren, das ohne ihn geführt wurde; die Stadt setzte sich darüber hinweg.
Endingen machte den Prozess anschließend zu einem Theaterstück, dem *Judenspiel*, das jahrhundertelang zu festen Terminen aufgeführt wurde, und um die Knochen bildete sich ein Kult. Die Akten dienten als Vorlage für spätere Anklagen in der gesamten oberrheinischen Region.
- Zeitraum :
- 15.–17. Jahrhundert
- Art :
- Prozesse und Hinrichtungen
- Region :
- Westeuropa
- Land :
- Allemagne
Procès-verbaux d'Endingen ; *Endinger Judenspiel* ; chroniques du Brisgau.