13.–14. Jahrhundert
Hostienfrevelanschuldigung, Massaker
1338·Deggendorf
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
Gegen die Gemeinde von Deggendorf in Bayern wurde eine Anschuldigung der Hostienschändung erhoben. Die Einwohner richteten sie hin, und die Stadt erhielt vom Herzog einen Schuldenerlass; an der Stelle der Synagoge wurde eine Kapelle errichtet.
Die angeblich geschändeten Hostien wurden dort ausgestellt, und eine jährliche Wallfahrt, die *Deggendorfer Gnad*, fand alljährlich um sie herum statt. Die Bilder im Heiligtum erzählten die Geschichte in Bildern, und der gedruckte Bericht wurde an die Pilger verkauft.
Die Wallfahrt wurde bis zum Ende des 20. Jahrhunderts gefeiert; das Bistum Regensburg hat sie abgeschafft und dabei anerkannt, dass die Gründungserzählung eine Verleumdung war. Es ist einer der seltenen Fälle, in denen man eine Anschuldigung vom Massaker bis zu ihrer offiziellen Zurücknahme sechseinhalb Jahrhunderte später verfolgen kann.
- Zeitraum :
- 13.–14. Jahrhundert
- Art :
- Massaker
- Region :
- Westeuropa
- Land :
- Allemagne
Chroniques bavaroises ; dossier de la « Deggendorfer Gnad » ; *Memorbuch* de Nuremberg.