Antike
Bischof Avitus lässt die Synagoge zerstören; Juden müssen sich zwischen Taufe und Exil nach Marseille entscheiden (Gregor von Tours)
576·Clermont-Ferrand
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
Gregor von Tours, ein zeitgenössischer Bischof, hat einen ausführlichen Bericht über das hinterlassen, was in Clermont geschah. Dort lebte eine jüdische Gemeinde in engem Kontakt mit den Christen der Stadt — so eng, dass die Bekehrung eines ihrer Mitglieder eine öffentliche Reaktion auslöste: Während der Osterprozession wurde aus einem Haus heraus ranziges Öl auf den Konvertiten geworfen.
Bischof Avit ließ die Synagoge zerstören und richtete daraufhin an die Gemeinde ein Mahnschreiben, das ihr die Wahl ließ zwischen der Taufe und dem Weggang. Die Taufen fanden zu Pfingsten in der Kathedrale statt; jene, die sich weigerten, zogen nach Marseille, dessen Gemeinde damals als Zufluchtsort für die Juden des fränkischen Reiches diente.
Der Dichter Venance Fortunat feierte das Ereignis in einem an Avit gerichteten Gedicht, das das Modell festlegte: die Bekehrung einer ganzen Stadt, dargestellt als pastoraler Erfolg.
- Zeitraum :
- Antike
- Art :
- Zwangsbekehrung
- Region :
- Westeuropa
- Land :
- France
Grégoire de Tours, *Histoire des Francs* ; Venance Fortunat, *Carmina*.