1900–1939
Unruhen in der Freien Stadt
Oct. 1937·Dantzig
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
jüdische Geschäfte geplündert, die Gemeinde zur Auswanderung gedrängt
Im Oktober 1937 erlebt die Freie Stadt Danzig, die unter der Verwaltung des Völkerbundes steht, aber von den einheimischen Nationalsozialisten regiert wird, tagelange Ausschreitungen gegen ihre jüdische Gemeinschaft. Geschäfte werden verwüstet, Schaufenster eingeschlagen, Passanten angegriffen, und die Synagoge wird bedroht, ohne dass die Polizei des Senats eingreift.
Die alteingesessene und wohlhabende Gemeinschaft begreift, dass sie in der Stadt keine Zukunft mehr hat, und organisiert ihren eigenen Abgang: Sie wird ihr Vermögen verkaufen, Emigrationszertifikate aushandeln und ihre Mitglieder in Konvois nach Mandatory-Palästina und Amerika ausreisen lassen, bevor sie gezwungen wird, ihre große Synagoge abzutreten, die kurz darauf abgerissen wird. Der Fall Danzig zeigt eine Gemeinschaft, die ihr eigenes Erlöschen organisiert, um ihre Lebenden zu retten.
- Zeitraum :
- 1900–1939
- Art :
- Pogrom
- Region :
- Mittel- und Osteuropa
- Land :
- Pologne
Archives du haut-commissariat de la Société des Nations à Dantzig ; documents de la communauté juive de la Ville libre.