1900–1939
Pogrom ausgelöst durch ein Gerücht auf dem Markt
11 août 1902·Częstochowa
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
Judenviertel geplündert, Truppen schießen auf die Menge
Ein Marktgerücht — ein einem jüdischen Händler zugeschriebener Diebstahl — genügte, um den Mob in Częstochowa aufzuwiegeln, einer Industriestadt im damals russischen Polen und wichtigstem katholischen Wallfahrtsort des Landes. Das jüdische Viertel wurde stundenlang geplündert, die Läden aufgebrochen, die Wohnungen geleert; das spät gerufene Militär eröffnete das Feuer auf die Menge selbst, sodass auf beiden Seiten Tote zu beklagen waren.
Dieses Pogrom gehört zur Reihe städtischer Gewalttaten, die in den Jahren vor der russischen Revolution die Industrialisierung der Weichselstädte begleiten: eine entwurzelte Arbeiterschaft, eine nationale Presse, die den jüdischen Händler als Hindernis bezeichnet, und eine kaiserliche Verwaltung, die es vorzieht, den Zorn dort abfließen zu sehen als gegen sich selbst.
- Zeitraum :
- 1900–1939
- Art :
- Pogrom
- Region :
- Mittel- und Osteuropa
- Land :
- Pologne
Frank Golczewski, *Polnisch-jüdische Beziehungen 1881-1922*.