19. Jahrhundert
Russisch-Türkrieg
1877-1878·Bulgarie (Kazanlak, Stara Zagora)
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
die jüdischen Gemeinden, als ottomanfreundlich erachtet, fliehen oder werden vor dem Vormarsch der Truppen vertrieben, ihre Viertel geplündert
Der russisch-türkische Krieg durchquerte Bulgarien von Nord nach Süd, und die jüdischen Gemeinden gerieten zwischen die beiden Armeen. Man hielt sie für ottomanenfreundlich, unter deren Herrschaft sie seit Jahrhunderten gelebt hatten: Beim Vormarsch der russischen Truppen und der bulgarischen Freiwilligen wurden die jüdischen Viertel von Kazanlak, Stara Zagora und mehrerer Städte in Thrakien geplündert, ihre Bewohner vertrieben oder flohen von sich aus nach Andrinople und Konstantinopel. Viele kehrten erst nach dem Krieg zurück, in besetzte Häuser. Das durch den Berliner Vertrag entstandene Fürstentum gewährte seinen jüdischen Untertanen formell Gleichberechtigung, und die Erinnerung an jene Monate blieb in Bulgarien lange die einer Gemeinschaft, die ihre Loyalität gegenüber einem Staat hatte beweisen müssen, den sie sich nicht ausgesucht hatte.
- Zeitraum :
- 19. Jahrhundert
- Art :
- Militärische Unterdrückung
- Region :
- Mittel- und Osteuropa
- Land :
- Bulgarie
Vicki Tamir, *Bulgaria and Her Jews* ; Simon Doubnov, *Histoire des Juifs de Russie et de Pologne* ; *Encyclopaedia Judaica*, article « Bulgaria ».