18. Jahrhundert
Zweiter Ritualmordfall
1712·Sandomierz
Die Bilanz wird genau so wiedergegeben, wie die Quelle sie nennt — nie gerundet, nie mit einer anderen addiert. Die Bilanzen überschneiden sich von Ereignis zu Ereignis.
die Gemeinde aus der Stadt ausgewiesen und die Synagoge dem katholischen Gottesdienst zugewiesen
Sandomierz hatte bereits gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine Ritualmordanklage erlebt. Diese hier wird ihm zum Verhängnis. Der Prozess endet mit der Ausweisung der Gemeinde aus der Stadt, und die Synagoge wird dem katholischen Gottesdienst zugewiesen — das Gebäude wechselt seine Bestimmung, was das Verbot ebenso im Stein wie im Recht unwiderruflich macht.
Die Affäre hinterlässt eine Spur, deren Wirkung über die Stadt hinausgeht: Der Kanoniker Stefan Żuchowski leitet daraus ein Traktat ab, das lange als Autorität gelten und als Argumentarium für weitere Prozesse in Polen dienen wird. Eine lokale Anklage wird so zu einem gedruckten Modell, andernorts wiederverwendbar, und über diesen Kanal wird das polnische 18. Jahrhundert die Blutprozesse vervielfältigen.
- Zeitraum :
- 18. Jahrhundert
- Art :
- Prozesse und Hinrichtungen
- Region :
- Mittel- und Osteuropa
- Land :
- Pologne
Actes du procès de Sandomierz ; littérature polémique polonaise du XVIIIᵉ siècle.