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Der Golem und die jüdischen Legenden

גולם

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Veröffentlicht am 19. Juni 2026

Aus Lehm geschaffenes Wesen, belebt durch die Macht der Buchstaben, verbunden mit dem Maharal von Prag. Das Motiv nährt Folklore, Literatur und Kino.

Einführung

Le Golem nimmt eine einzigartige Stellung in der jüdischen Vorstellungswelt ein: zugleich mystische Gestalt, theologisches Gedankenexperiment und Figur der Volkslegende. Der hebräische Begriff golem (גולם) bezeichnet in seiner ältesten Bedeutung eine formlose Materie, eine noch unvollendete oder embryonale Masse. Die Tradition führt das einzige biblische Vorkommen des Wortes auf Psalm 139, Vers 16 zurück, wo der Sprecher erklärt, dass die göttlichen Augen sein golmi gesehen haben — seinen Embryo, seine noch nicht geformte Substanz. Aus dieser semantischen Wurzel erwächst der Leitgedanke, der Jahrhunderte jüdischen Denkens durchziehen wird: Der Golem ist das, was der Möglichkeit nach vorhanden, aber noch nicht vollendet ist — der Ton, der eine Form empfangen kann.

Die Geschichte des Golems verläuft nicht linear. Sie verbindet mehrere Schichten: ein talmudisches und midraschisches Substrat, eine mittelalterliche kabbalistischen Vertiefung, die im Sefer Yetsira (Buch der Schöpfung) verwurzelt ist, Praktiken ekstatischer Meditation — und erst sehr viel später eine in Prague lokalisierte Legende, die mit dem Rabbiner Judah Loew ben Bezalel, dem Maharal (um 1520–1609), verbunden ist. Diese letzte Schicht, die erst im 19. und frühen 20. Jahrhundert popularisiert wurde, hat in der allgemeinen Kultur schließlich die älteren und gelehrteren Lagen der Tradition in den Schatten gestellt.

Das vorliegende Werk bemüht sich, diese Schichten mit Redlichkeit zu unterscheiden: was das Archivstück belegt, was die Tradition überliefert, und jene Zonen, in denen Memoria und Geschichte sich begegnen oder einander widersprechen. Denn eine der wesentlichen Erkenntnisse der modernen Forschung — namentlich jener von Gershom Scholem und Moshe Idel — ist, dass die Legende des Golem von Prague, so allgemein bekannt sie auch sein mag, eine späte Bildung darstellt, die dem historischen Maharal selbst weitgehend fremd ist.

Versionen (1)
  1. v1 · aktuell · 19. Juni 2026

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Quellen & Ressourcen

  • Moshe Idel, Golem: Jewish Magical and Mystical Traditions on the Artificial Anthropoid (1990)
  • Sharon Flatto, The Kabbalistic Culture of Eighteenth-Century Prague: Ezekiel Landau (the 'Noda Biyehudah') and his Contemporaries (2010)
  • Maoz Kahana, Mi-Prag li-Presburg: ketivah hilkhatit be-olam mishtaneh (From Prague to Pressburg) (2015)
  • Gabriella Safran, Wandering Soul: The Dybbuk's Creator, S. An-sky (2010)
  • Itzik Nakhmen Gottesman, Defining the Yiddish Nation: The Jewish Folklorists of Poland (2003)
  • Delphine Bechtel, La Renaissance culturelle juive en Europe centrale et orientale 1897-1930. Langue, littérature et construction nationale (2002)

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