Étiquettes hiéroglyphiques de la tombe U-j d'Abydos — Naissance possible de l'écriture égyptienne
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Register Geschichte · Verwahrer, nicht Eigentümer
Im Jahr 1988 entdeckt der deutsche Archäologe **Günter Dreyer** in der Nekropole U von **Abydos** (Oberägypten) ein außergewöhnlich gut erhaltenes prädynastisches Königsgrab: das **Grab U-j**, einem König zugeschrieben, der vielleicht **Scorpion I.** hieß, ein früher Vorgänger von Narmer. Das Grab datiert auf etwa 3320 v. Chr. und birgt einen unerwarteten Schatz: nahezu **zweihundert kleine Etiketten** aus Knochen, Elfenbein und Holz, mit einem Aufhängeloch versehen und mit **archaischen hieroglyphischen Zeichen beschriftet**. Diese Etiketten — keines davon größer als 2 cm — begleiteten Krüge mit Wein, Öl und aus der Levante eingeführten Waren. Sie geben Herkunft, Qualität oder Eigentümerschaft an: Gutsname, Menge, bisweilen etwas, das wie ein Königsname wirkt. Auch wenn ihre Lesung nur teilweise gelingt, besitzen diese Zeichen bereits die **formale Struktur** des pharaonischen Hieroglyphensystems, das tausend Jahre später voll erblühen sollte: figürliches Zeichen (Stier, Gefäß, Vogel), phonetisches Zeichen, Determinativ. Zusammen mit den **proto-keilschriftlichen Tafeln aus Uruk IV**, die in etwa gleichzeitig entstanden (3400–3200 v. Chr.), konkurrieren die Etiketten aus Abydos um den Titel des **ältesten Schriftsystems der Welt**. Die Frage ist nicht entschieden: Dreyer sieht darin die eigenständige Entstehung der ägyptischen Schrift; andere denken an einen frühen sumerischen Einfluss über die Handelsrouten. Für die biblische Überlieferung ist Ägypten einer der Gründungspole: Dorthin wird Joseph hinabsteigen, dort wird Moses geboren werden, dort wird die Identität Israels als aus der Knechtschaft herausgehendes Volk geprägt. Die Hieroglyphen — die Israel nie lesen noch schreiben wird, da es seinem semitischen Alphabet des Sinai treu bleibt — sind dennoch die andere Urquelle der Schrift in der Welt, in der die Bibel Gestalt annehmen wird. Die **Schrift des Pharao** und die **Schrift Sumers**: zwei Pole, zwischen denen Israel seine eigene Schrift einschreiben wird — monotheistisch und dem Volk gehörend.
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